IBK3 – Nachhaltigkeit, Baukonstruktion und Entwerfen

Architektur – eine Handlungsdisziplin

Der im April 2014 gegründete Lehrstuhl IBK3, Nachhaltigkeit, Baukonstruktion und Entwerfen zielt auf die Etablierung einer architektonischen Kultur der Nachhaltigkeit. Der Begriff des „nachhaltigen Handelns“ wird hier nicht allein als vorausschauendes Agieren, sondern als Anleitung zur Bewältigung von Krisen verstanden. In einer Reflektion aktueller gesellschaftlicher Diskurse werden Prototypen nachhaltiger Handlungsdisziplinen entwickelt, die als Modelle einer forschenden und produzierenden Praxis umsetzbar sind.

Maßgebend für unser Handeln sind Sinneserfahrungen und Wahrnehmungsfähigkeiten im Sinn einer „leiblichen Betroffenheit“, während die kognitive Verarbeitung unserer Situation ohne Taten auszukommen scheint. Diese Spaltung wird deutlich, gehören doch die uns global bedrohenden Symptome mittlerweile zu unseren selbstverständlichen Wissensbeständen, ohne bei uns relevante Verhaltensänderungen hervorzurufen.

Der Architektur kommt im Erleben von leiblicher und damit auch ästhetischer Betroffenheit eine Schlüsselrolle zu, sie bietet das Erlebnis einer Möglichkeitsform und fordert unmittelbar zum gesellschaftlichen Handeln auf.

Die Veränderbarkeit unserer Wahrnehmung als Chance zu nutzen, erfordert eine Suche nach neuen Formaten des Handelns. Dieses ist nicht nur ein theoretisches Forschungsziel, sondern Übung und Erweiterung von Wegen der Umsetzung. Am Lehrstuhl IBK3, Nachhaltigkeit, Baukonstruktion und Entwerfen wird das „Handlungswissen“ unter den Aspekten der Nachhaltigkeit in die Baupraxis integriert. Ein Forschungsschwerpunkt widmet sich der Analyse der Veränderung unserer Wahrnehmung durch die zunehmende Präsenz digitaler Bildmedien in der Architektur und der Erzeugung veränderter Raumvorstellungen, Bedürfnisse und Atmosphären. Diese Erkenntnisse befreien uns auch in den Grundlagen des Entwerfens von einer überalterten Ratio und einem stillstehenden Modernitätsbegriff.

Architekten arbeiten in einem Spannungsfeld divergierender Interessen, innerhalb derer wir eigene alternative Zukünfte entwerfen. Die Aufgabe besteht darin, unsere schaffende Erfahrung aus dem Raum der Einzelphänomene und der flüchtigen Kreativität in eine neue, gemeinsam durchsetzbare Bewegung nachhaltig erfahrbarer Architektur zu überführen.

Prof. Jens Ludloff